SPECIALITY COFFEE: ZEIT FÜR EIN NEUES DESIGN-REZEPT?
Zwanzig verschiedene Kaffeesorten und doch fehlt die Eigenheit.
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KOMMT EUCH DIESE ÄSTHETIK AUCH BEKANNT VOR?
Wir waren in den vergangenen Wochen in Zürich, München und Wien unterwegs. Dabei ist uns in der Specialty-Coffee-Szene ein spannendes Phänomen aufgefallen: Egal in welcher Stadt man seinen Kaffee bestellt, man trinkt ihn zwischen Metalltresen, Holzgestellen und unter hell leuchtenden Spots. Kommt euch diese Ästhetik bekannt vor?
Raue Oberflächen wie Sichtbeton an Wänden oder Böden, unverputztes Mauerwerk und offene Deckenkonstruktionen treffen auf warmes Holz und viel Metall. Eine hochwertige, oft massgefertigte oder farblich angepasste Espressomaschine wird stolz wie ein Kunstwerk auf der Theke präsentiert. Möbel und Einbauten haben meist eine sehr geradlinige, unaufgeregte Formensprache, die stark an skandinavisches oder japanisches Design erinnert. Grosse, massive Community-Tische, an denen Fremde nebeneinander sitzen oder an ihren Computern arbeiten können, bilden das Zentrum des Raumes.
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BLANDING: RUHEPOL ODER SEELENLOS?
So nennt sich die Ästhetik, welche nirgendwo aneckt und deshalb auch nirgendwo wirklich hingehört. Die Reaktion auf die sterilisierte, auf Hochglanz polierte Kettenrestaurant-Welt ist verständlich. Nur ist aus der Reaktion selbst ein Standard geworden – so konsistent, so vorhersehbar, dass Gäste wie Mitarbeitende irgendwann aufgehört haben hinzuschauen. Und wer nichts mehr sieht, spürt auch nichts mehr. Räume formen Energie. Ein Raum ohne Eigenheit erzeugt einen Service ohne Charakter. Das Pinterest-Board hat gewonnen.
… Wir haben uns gefragt, wieso genau diese Ästhetik in unserer heutigen Zeit vermehrt auftritt. Stillt die offene Kaffeebar mit ihren sichtbaren handwerklichen Prozessen unser Bedürfnis nach etwas Echtem – als Kontrast zur unsichtbaren Arbeit am Computer? Bietet die reduzierte, geradlinige Ästhetik unseren Augen einen Ort zum Ausruhen, anstatt in unserer reizüberfluteten Welt noch mehr Aufmerksamkeit von uns zu fordern? Strahlen ehrliche, rohe Materialien wie Holz und Metall Beständigkeit und Vertrauen in einer sonst so fluiden Zeit aus?
Oder haben wir einfach etwas verwechselt? Nur weil sich unsere digitale Welt sich so anfühlt, bedeutet nicht, dass wir auch in einer solchen Umgebung unseren Kaffee trinken wollen.
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WERT ENTSTEHT ÜBER DIE JAHRE.
Vorherrschende Räume und ihre Ästhetik sagen wahnsinnig viel über unsere kollektiven Sehnsüchte und die Lücken unseres Alltags aus. Solche visuellen und gesellschaftlichen Trends zu beobachten, fasziniert uns.
Aber sind wir einmal ehrlich: Diese Räume sagen nicht nur etwas über unseren Zeitgeist aus. Am Ende leben wir in ihnen. Sie tragen eine Energie und prägen damit unseren Alltag und unsere Kultur.
Wir finden, es ist an der Zeit, dass sich was dreht. Was uns an all diesen Orten zunehmend fehlt, ist das Stück Eigenheit, welches einen Raum in seiner Stadt verankert und ihn wirklich unverwechselbar macht. Es sind die Geschichten der Stammgäste, welche immer wieder kommen, die Kratzer an den Wänden, die Objekte, welche von jemandem bewusst platziert wurden, weil sie für diese Person einen Wert haben. Und vor allem sind es die Menschen, welche einen Ort beleben, mitgestalten und über die Jahre immer wertvoller machen, und nicht die Metalltresen, welche kantig und perfekt ausgeleuchtet überall auf der Welt gleich glänzen.
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